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Vespa the story
1946, in Deutschland sind die Lebensmittel auf 1000 Kalorien pro Mann und Maus rationiert. Entweder man versucht sich bei Hamsterfahrten auf dem Land mit dem Notwendigsten zu versorgen, oder aber man versucht sich als fliegender Händler auf den Schwarzmärkten.
Politisch geht es wieder aufwärts. Konrad Adenauer wird Vorsitzender der CDU, Kurt Schumacher ist sein Gegenpart bei der SPD. In den von Russland besetzten Zonen wird die SED gegründet, wobei die Ost - SPD mit der KPD zwangsintegriert wird.
Bekanntlich ist dies auch die Zeit, in der die Sowjets und die Westalliierten sich Gedanken über die politische und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands machen. Agrarland oder Wirtschaftsland, die Auffassungen sind so verschieden wie die Länder selbst.
Während insbesondere die USA einen Wiederaufbau nach demokratischen Grundsätzen anstreben, legen die Sowjets Wert auf Reparationsleistungen durch Demontage und Inbesitznahme von Industrieanlagen unter strikter politischer Kontrolle der Siegermächte. Die Amerikaner lassen den Abtransport demontierter Industrieanlagen aus ihrer Besatzungszone in die Sowjetunion stoppen, weil diese die vereinbarten Lebensmittelhilfen nicht leisten. Um die Wirtschaftsschwäche im niedergeworfenen Deutschland zu überwinden, wird im Dezember 1946 die Bildung der Bizone aus der britischen und der amerikanischen Besatzungszone vereinbart.
In der amerikanischen Besatzungszone werden die Entnazifizierungsgesetze durchgeführt. Einem Erlass der Alliierten Militärregierung zufolge, sind alle nationalsozialistischen und militärischen Denkmäler zu zerstören. In Nürnberg geht vor dem Militärtribunal der Prozess gegen die im Vorjahr als Hauptkriegsverbrecher Anklage mit Todesurteilen zu Ende.
Der alte Churchill warnt zum ersten Mal laut vor der heranwachsenden kommunistischen Gefahr. Meines Erachtens ist jede Gefahr, die von Gruppierungen ausgeht gerade mal so schlimm wie man sich selbst dagegen wendet, aber das soll hier nicht das Thema sein. In dieser Zeit entsteht so das Unwort "der Eisernen Vorhang".
In Argentinien wird der zuvor gestürzte Juan Peron mit Hilfe seiner vom Volk außerordentlich geliebten Frau Evita (nein nicht Madonna) erneut Präsident.
Der amerikanische Physiker Willard Frank Libby erfindet die Atomuhr. Die Schweizer Firma Ciba Geigy bringt den ersten Zweikomponentenkleber Araldit auf dem Markt und der italienische Zweiradhersteller Enrico Piaggio entwickelt mit der Vespa einen neuen Typ motorisiertes Zweirad: "den Motorroller". Ähnlich wie der Range Rover, soll er als billige Alternative die Masse nach den Kriegsjahren wieder mobilisieren.
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Hier nun soll die Story eines wohl der beliebtesten, aber auch umstrittensten Zweiräder der Welt beginnen. Die Vespa ("Wespe") ist ein Stück Italiens Lebensfreude, wie Pasta und das "dolce vita" und begeistert seit Jahrzehnten die Menschen.
Tja, du fragst dich was das alles mit unserer Vespa zu tun hat? Nun ja, ich bin der Meinung, dass man auch den historischen Hintergrund kennen sollte, um zu verstehen, was eigentlich die Vespa darstellen sollte.
Als ich begonnen habe, für diesen Bericht zu recherchieren, wusste ich nicht was mich erwartet. Es gibt im Internet bestimmt so um die hundert Storys zur Vespahistorie, aber keine wird wohl so umfassend sein wie diese (Anmerkung vom Autor: "Das wird sich wohl erst zeigen müssen"). Mir liegt seht viel daran nicht wie viele andere nur Fakten und Daten herunterzuschreiben, sondern auch tatsächliche Hintergründe zur Vespahistorie zu liefern und vor allem soll es meine persönliche Hommage an die "Vespa" sein.
In unserer Zeit ist Vespa fahren ein Ausdruck von Lebensstil; es sind die Swingin' Fifties und die Rockin' Sixties die hier eine Vereinigung erlangen.
Viele Nachahmer gab und gibt es auf dem heutigen Rollermarkt, aber an die Vespa kommt niemand heran. Die Vespa ist ein Klassiker auf kleinen Rädern und an diesem Original aus Italien führt kein Weg vorbei.
Nun aber weiter in der geschichtlichen Zusammenfassung.
1945 - 1946, der Name Piaggio steht noch immer für einen recht bedeutenden Konzern, deren größtes Geschäft es bis zu dieser Zeit war, die italienische Armee mit allerlei Dingen auszurüsten. Ganze 12.000 Frauen und Männer sollen es zum Ende des Krieges gewesen sein, die Enrico Piaggio in seinem "Familienunternehmen" beschäftigt hatte. Natürlich ging das Geschäft nach dem Krieg, durch das Verbot Rüstungsindustrie zu betreiben, nicht mehr allzu gut und ein Großteil der Belegschaft wurde arbeitslos. Um nicht ganz mit seinem Konzern in der Versenkung zu verschwinden, suchte der ideenreiche und geschäftstüchtige Enrico nach anderen Märkten. Ob es der Erfolg vom Rang Rover war, der einfach konstruiert war und mit seiner flexiblen Einsatzfähigkeit nach dem Krieg hauptsächlich das ländliche England verhalf sich wieder zu berappeln, oder die vielen Fußgänger in Rom, die Enrico inspirierten ein neues Projekt anzugehen, wer weis das heute schon noch. Vermutlich wird auch hier wieder der Einfluss von einer oder mehreren Frauen mit eine Rolle gespielt haben. Auf jeden Fall gab er im Sommer 1945 einem seiner Ingenieuren, es soll Renz Spolti gewesen sein, den Auftrag seine "Vision" eines einfach konstruierten, leicht zu fahrenden und kostengünstigen zu fertigendes motorisierten Zweirads zu entwerfen, welches exakt auf die Bedürfnisse der schwierigen Zeit nach dem Krieg abgestimmt war und die Massen wieder mobilisiert.


Enrico Piaggio

In den Überbleibseln der vom Krieg zerstörten Piaggio Flugzeugwerft entstand daraufhin 1946 der Prototyp MP5. Du fragst nach dem Aussehen diesen ersten Entwurfs! Heute würden wir sagen, es wurde von einem Lehrling im zweiten Lehrjahr lieblos aus Metallresten (es sollen Restbestände aus Waffenproduktionen gewesen sein) und alten Motorradteilen zusammengeschustert. Ein Fahrradsattel, ein Motorradlenker, Schubkarrenräder und einem kleinen Zweitakt-Einzylindermotor, der dem Ganzen einen gewissen Vorschub gab. Ja, das ganze "Ding" soll ausgesehen haben wie die unbeholfene Ente Donald Duck von Wald Disney ("da werden Kindheitserinnerungen wach und ich muss an meine riesige Sammlung der lustigen Taschenbücher denken, die gut verpackt irgendwo schlummern. Darunter ist sogar eine Erstausgabe des ersten Bandes der Kolumbusfalter".). So kam es auch zu dem ersten liebevollen Name für die Vespa: "Paperino", wie Donald damals in Italien genannt wurde.
Enrico war noch nicht ganz zufrieden von dem Ergebnis. Klar, auch der ärmste Schlucker hatte nach dem Krieg noch seine Würde und ein stolzer Italiener würde sich bestimmt nicht auf eine solche Ente setzen. Weit weg vom Verkaufsschlager, verfolgte Enrico aber sein Projekt weiter. Diesmal gab er Corradino D'Ascanio (1891 - 1981) den Auftrag, für die stolzen Römer ein adrettes motorisiertes Zweirad zu entwerfen.


Corradino D'Ascanio vor einer Hubschrauberkonstruktion


Skizze "Motorscooter 98cm³ "

Corradino muss wohl ein ganz cleveres Kerlchen gewesen sein. In der Geschichte der Ingenieurkunst ist er bekannt als Konstrukteur von vertikal und horizontal frei beweglichen Rotorblättern für Hubschrauber. Vor dem Krieg soll er sogar einen kompletten Hubschrauber konstruiert haben. Ein Motorroller war da wohl keine Herausforderung für ihn, so das er zusammen mit seinem Zeichner Mario d'Este schon binnen weniger Wochen ein für seinen Patrone Enrico akzeptablen Entwurf hervorbrachte. Einen summenden aerodynamischen Motorroller mit gekapselten Motor, einem Beinschild der vor Wind und Nässe schützt, mit bequemer Sitzposition und jeder Menge Beinfreiheit, der dem Römer und später auch dem Rest der Welt nicht nur das Fahren im Smoking erlaubte.
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Wie sich später erst herausstellte war ein wahrhaftiger Mythos mit dieser Vespa geboren. Ich habe versucht herauszufinden, wo der Begriff Lifestyle herkommt. Ist mir nicht eindeutig gelungen, aber ich bin mir sicher, dass er was mit der Vespa zu tun hat! Selbst das Museum of Modern Arts in New York gab ihr einen Platz in seinen ehrwürdigen Hallen und verlieh dieser praktischen und faszinierenden Vespa damit die Anerkennung einer guten Gestaltung eines Industrieproduktes. Und auch die Zeitschrift Fortune schrieb bereits 1961 einen Artikel über die Vespa, in dem sie sie zu den 100 klassischsten Designs des 20. Jahrhunderts zählte.


Vespa 150 von 1954

Wie sehr die Vespa mit ihrer aerodynamischen und runden Formen die Menschen noch beeinflusste zeigen vielleicht die folgenden Beispiele:
1947 stellt Modezar Dior - unter dem Einfluss des Vespadesigns - in Paris die Wespentaille vor, die Nierentisch-Ära (wir erkennen die Form am Heck der Vespa wieder) folgt später in den Siebzigern. Das Spiel der Rundungen und Durchblicke der Vespa finden sich sogar in abstrakten Plastiken von Henry Moore und Hans Arp wieder.


Vespa 125 von 1951

Nein, in einem Werbespott in der der Kaufanreiz durch überlegende Technik geschickt angeheizt wird, konnte und kann die Vespa nicht mitspielen. Aber eben diese Einfachheit des Designs und der Technik gab den Menschen Vertrauen.
Zufall war es nicht, das Enrico die Massen mit Motorrollern mobilisieren wollte. Seit der Gründung von Piaggio im Jahre 1884 durch Rinaldo Piaggio beschäftigt sich die Firma mit dem Thema Mobilität. Neben dem bekannten Motorrollerbau unternahm Piaggio mit Charme, Kreativität und technischer Innovation auch Aktivitäten im Schiffbau, Eisenbahnverkehr und in der Luftfahrt auf. Zahlreiche Patente kamen aus Unternehmungen von Piaggio hervor, die noch heute von einer großen Zahl von Unternehmen genutzt werden, genauer sind es heute (2002) noch 15 Lizenznehmerfirmen in 14 Ländern und 50 Vertriebsgesellschaften.
Rinaldo Piaggio war erst 20 als er 1884 in Sestri Ponente an der Riviera ein Sägewerk eröffnete. Seine Herkunft aus einer Reederfamilie war es wohl, das er sich sehr bald auf die Fertigung von Schiffsinneneinrichtungen befasste. Die Familie Piaggio war von jeher sehr geschäftstüchtig und innovativ. So begann Rinaldo sehr bald auch Eisenbahnwagons zu bauen. 1906 erweiterte Rinaldo (nein, an dieser Stelle sei gesagt, dass er mit Fußball wirklich nichts zu tun hatte) seine Fabrikationsstätten. In Finale Ligure und in Sestr Ponente fand er ausreichend Platz für seine inzwischen recht großen Werkshallen. Zu Beginn des ersten Weltkriegs erweiterte Rinaldo abermals seine Produktpalette: U-Boot-Abwehrboote, Rettungsboote, Ersatzteile für Flugzeuge und Flugzeugreparaturen. Er muss wohl der Faszination des Fliegens erlegen sein, da er 1917 in Pisa und Nola nunmehr richtige Flugzeugwerke baute. Zum Kriegsende stellte Rinaldo Piaggio nun seine eigenen Flugzeuge mit luftgekühlten Motoren her.


Rinaldo Piaggio


Bomber P 108 B

Während des Zweiten Weltkrieges kamen dann noch, inzwischen war auch Enrico Piaggio im Unternehmen tätig, einige Panzerfahrzeuge zur Produktpalette hinzu. Neben der Planung und Herstellung von Flugzeugmotoren und Flugzeugen beschäftigte Piaggio sich auch mit Konstruktion von Hubschraubern und Druckkabinen in Verkehrsflugzeugen. Auch hat Piaggio unter dem Einfluss von Mussolini den Bomber "P 108 B" gebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1947 und 1959, hat Piaggio sein zerstörtes Flugzeugwerk wieder aufgebaut und zunächst das zweimotorige Amphibienflugzeug "P 136" und später in den Fünfzigern das ebenfalls zweimotorige Geschäftsflugzeug "P 166" gebaut.
Der erste richtige Vespa-Motorroller kam nach einer Entwicklungszeit von nur drei Monaten im April 1946 als "Motorscooter 98cm³ " mit 3.2 PS und Dreigangschaltung sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 60km/h auf dem Markt. Mit gräulich grüner Rostschutzfarbe gestrichen und ihr Licht trug die Vespa damals noch auf dem vorderen Kotflügel und statt der Sitzbank gab es einen oder zwei einzelne Sattel. Im ersten Jahr wurden ziemlich genau 2484 Vespas verkauft, gebaut in der ersten Vespa Fabrik im italienischen Pontedera (Pisa), nahe bei Florenz. Hiernach eroberte die Vespa die Welt. Im selben Jahr noch, kamen die ersten 60 Vespas in die Schweiz. Nicht ganz die Welt, aber immerhin.


Werk in Ponteder um 1947


Vespa 98 von 1946

1947 soll die Produktion bereits ca. 10.500 Stück erreicht haben. (Anmerkung: In anderen Quellen werden sogar 15500 Stück für das Jahr 1947 genannt).


Vespa 125 von 1948

1950 - 1954 bauten die Hoffmann-Werke (Lindtorf / Ratingen, Deutschland) über 40.000 Vespas in Lizenz.
1951 - 1962 baut A.M.C.A (Fourchambault/Nevers, Frankreich) die Vespa in Lizenz.
1951 - 1964 baut das Motorradwerk Douglas (Kingswood, England) 126.000 Vespas in Lizenz.
1952 - bis heute baut Moto Vespa S.A (Ciudad Linal bei Madrid, Spanien) die Vespa in Lizenz.
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Vespa 125 von 1953


Vespa 125 von 1953
(Lampe noch unten)

Bis 1953 erfuhr die Vespa keine wesentlichen Veränderungen. Allerdings kam in diesem Jahr die technisch erheblich verbesserte Vespa 53 mit 125 ccm Motor auf dem Markt, von der auch die etwas spartanischere Vespa 53 U ("U"-Vespa) abgeleitet war. Außerdem erfuhr die Vespa in diesem Jahr ihre erste und einzige wesentliche äußere Veränderung - der Scheinwerfer, der bisher auf dem vorderen Kotflügel platziert war, wanderte nach oben auf den Lenker.
1954 gesellte sich eine 150er Vespa hinzu, die als GS-Version knapp 100 km/h erreichte.


Vespa 150 GS von 1955


Vespa 125 von
1958


Vespa 150 von
1959

Im April 1956 verlies die Millionsten Vespa mit dem Segen vom Papst Pius XII (Papst von 1939 bis 1958) die Fabrik. Zu dieser Zeit erreichte die Vespa schon einen Kultstatus. Sie war zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit geworden. Es gab Miss-Vespa Wahlen; Kalender, Tassen, Gläser und Kissen mit Vespa Motiven. Für die Bambinos wurden Bilderbücher geschrieben und es gab sogar für sie kleine Tretvespas. Die Vespa verkörpert im Film, in der Literatur, und in der Werbung stets Optimismus und jugendliche Lebensfreude.
Inzwischen wurde die Vespa auch weltweit gebaut: Brasilien, England, Frankreich, Belgien, Deutschland, Indien, Spanien und in der damaligen Sowjetunion unter der Bezeichnung "Wiatka".
Zu Beginn der Vespaentstehung, begleiteten immer wieder neue Prototypen oder Sonderbauten die jeweils laufende Serie. Diese "Sonderbauten" unterlaufen eigentlich einer eigenen Geschichte. Ich glaube hier wurde schon damals recht geschickt Marketing betrieben. Warum auch nicht! Ein so bescheidenes Gefährt wird für jeden interessanten, wenn man nebenbei erfährt, das man damit zum Beispiel auch Rekorde brechen kann.
Eine dieser "Sonderbauten" ist die "Siluro" (Torpedo) mit einem 125 ccm Motor, mit der ein Herr Mazzoncini den 1-Kilometer Geschwindigkeitsrekord mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 170 km/h gebrochen hat. Auch die Vespa "Montlhéry", ebenfalls mit einem 125 ccm Motörchen, ist so ein Sonderbau. Mit ihr wurden 1950 17 Weltrekorde innerhalb von 20 Stunden auf der Rennstrecke von Monthlhéry in Frankreich gebrochen. (Bitte fragt jetzt nicht nach welchen Rekorden, da mir an dieser Stelle leider genauere Aufzeichnungen fehlen.) MP6 wird der Prototyp der ersten "echten" Vespa genannt und unterscheidet sich zur endgültiger Serienversion in erster Linie durch das "aeronautische" Logo und der fehlenden Luftkühlung für den Motor.


Vespa Siluro 125ccm von 1950


Vespa Montlhéry 125ccm von 1950

Na ja, der Vollständigkeit zu liebe, soll hier auch der Prototyp des ersten Piaggio Mopeds genannt werden, das an Einfachkeit das echte Meisterwerk "dem Vesparoller" noch übertraf und im Jahr 1967 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Na alles klar? Ja richtig, hierbei handelt es sich um die spätere Ciao, mit der sicherlich nicht nur ich die ersten Gehversuche mit motorisierten Zweirädern unternommen habe. 1970 kam dann noch die "Boxer" zur "Mopedpalette" hinzu.

Vespa Kleinstauto 400


Ape Prototyp von 1946

Und weiter geht es mit den "Sonderbauten". Schon einmal was von der "Vespa 400" gehört? Hierbei handelt es sich um ein zweisitziges Auto(-mobilchen), welches Piaggio zwischen 1956 und 1961 im französischen ACMA - Werk entwickelt und gefertigt hat und hiermit (insgesamt 28.000 Stück), neben den bereits vorher bestehenden "Ape" (1953 - 1957 über 5.000 Stück), endgültig den Start der noch heute bestehenden Fertigungssparte der drei und vierrädrigen Leichtkrafttransportern begründet. Der dreirädrige Lieferwagen "Ape", was in unserer Sprache "Biene" heißt, war übrigens 1948 der erste dieser kleinen Wägelchen.
Ja und dann war da doch noch einmal ein Rückfall von Piaggio zum Militär. 1968 war da zunächst ein 125 ccm Röllerchen, das mit dem Flugzeug per Fallschirm abgeworfen werden konnte. Dann war da noch in den Fünfzigern Jahren eine 150 ccm Vespa aus den französischen Werken, die mit ihrem Rückstoßfreien 75mm-Geschütz in diversen Gefechten in Indochina eingesetzt wurde. Dies zählt aber eher zu den weniger rühmlichen Erfolgen der "Vespa".


Ape Pritsche von 1952

Eine weitere Rarität der "Sonderbauten" ist die "Vespa Alpha". Ein echtes und nie ernst gemeintes Einzelstück. Dieses "Ding" wurde speziell für den Film "Dick Smart, Agent 2007" im Jahre 1967 gebaut. Neben dem "normalen" Fahren auf der Straße konnte sie sich auch in einen Hubschrauber oder ein U-Boot verwandeln. Na ja, wer's glaubt.
An dieser Stelle finde ich einen geschickten Übergang zum Thema "Vespa und Film". Wohl auch schon eine frühe Art des Marketings. Je mehr die Vespa zum Kult wurde, um so mehr Stars fanden gefallen an ihr. Im Film "Roman Holiday (Ein Herz und eine Krone)" haben Audrey Hepburn und Gregory Peck auf einer Vespa 125 aus dem Jahre 1948 Platz genommen und sind durch Rom geflitzt. John Wayne zählt ebenso zu den auf einer Vespa abgelichteten Superstars aus Hollywood, wie Sophia Loren, Gary Cooper, Marlon Brando, Charly Chaplin und ja sogar Dr. Helmut Kohl. 1995 kurvt Gianni Moretti im Film "Liebestagebuch" auf einer schwarzen Vespa durch den Rom.
Piaggio verknüpfte den Erfolg der Vespa geschickt mit dem Image bekannter Persönlichkeiten für Werbezwecke. Da warben zum Beispiel Stars wie William Holden, die Mannschaft des FC Bayern München, der Sänger Gilbert Becaud und zwischendurch unzählige langbeinige und bildhübsche Fräuleins für die wunderbare Vespa. 1955 warb Piaggio sogar damit, das bereits 30.000 Priester Vespa fahren. Na dann "Petri Heil!"
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Vespa 90 Super Sprint von 1966

Im Laufe der Jahre kamen immer wieder ganz besondere Vespas auf den Markt. Hier ist zunächst nochmals die "U"-Vespa von 1953 genannt, von der nur 7.000 Stück gefertigt wurden und die heute eine der beliebtesten Sammelobjekte auf der ganzen Welt ist. Weiter geht es mit der lieblichen Vespa GS 150 von 1955; einer 125er von 1958, die übrigens als letzte Vespa die 5% Schmierung verwendet; das Teenager Modell die Vespa 50 von 1963, die viele Italiener "Vespina" nannten und die ein Meilenstein in der Geschichte der Vespafabrikation darstellt; und natürlich 1966 die Vespa 90 Super Sprint ("90 SS") die legendär unter den jungen Leuten der Siebziger Jahre ist. Bald danach kam die Vespa 200 ("ET3") mit 198 ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h in den Handel. Neben der 200er gab es die 50er, die 125er Primavera (1968), die 125er TS, die 125er GTR sowie die 150er Serien.
1960 kam die Zweimillionste Vespa aus den italienischen Produktionshallen.


Vespa 125 von 1960


Vespa 125 Sport von 1962

1961 waren es mit Jahresende 518.036 Einheiten gefertigter Vespas.
1972 wurde die Viermillionste Vespa produziert.


Vespa 200 Rally von 1972


Vespa 125 Primavera von 1976

1977 waren es nunmehr über 6 Millionen produzierte Vespas.
1979 kam als erste der Vespa PX Serie die 125er auf den Markt. Nach und nach erhielten auch die anderen Modelle den PX Standard. Gleich danach schob Piaggio in den Achtzigern eine weitere Serie für die Modelle 125er, 150er und 200er mit dem Namen "Arcobaleno" auf den Markt, die wiederum eine Verbesserung des Spritverbrauchs darstellten.


Vespa PX 200 von 1982


Vespa T5 Pole Position
von 1985

Und mit der PX-Reihe war in den Achtzigern noch nicht Schluss mit der Modelloffensive von Piaggio. So wurde neben den eben erwähnten Modellen ab 1985 auch die sportliche "T 5", eine 125er verkauft, die auch weiter abgeleitet von der "125 E Arcobaleno" als "T 5 Pole Position" in einem aggressiven rot erhältlich war. Die Besonderheit des 124 ccm Motörchen von der "T 5 Pole Position" war ein Zylinder mit fünf Überstromkanälen. Ach ja, und natürlich darf man hier nicht die Einführung der ersten 80er Vespa Version von 1980 nicht vergessen.
Das Vespa mit dieser Modelloffensive Recht hatte, bestätigt 1981 der historische Jahresproduktionsrekord von 512.630 Einheiten.
Ende der Achtziger überschreitet die Vespa Produktion bereits die 10 Millionen Marke und Piaggio stieg in den Olymp der Motorradfertiger hinter Honda, Yamaha und Suzuki auf Platz vier auf.
1985 gehörte zum Piaggio Konzern auch das spanische Unternehmen "Motovespa" und 1987 kommt noch die österreichische Marke "Puch" hinzu.


Vespa PK 50 Automatica von 1985

1988 - die Zehnmillionste Vespa verlässt die Produktionshallen in Pontedera. Wohl mehr aus betriebswirtschaftlichen Aspekten heraus, wird der Bereich Kraftfahrzeugbau zu einer 100%igen Tochtergesellschaft, der "Piaggio Veicoli Europei" mit Sitz in Pontedera, im Konzern integriert.
So, jetzt kommt weniger etwas über technische Details der Piaggio Modelle, sondern mehr etwas zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens Piaggio. Ja ja, ich weis "wen interessiert den so etwas", aber wie zu Beginn schon gesagt, soll diese Story weitgehend umfassend sein und da gehört dieses Thema nun mal auch dazu.
Ende der Achtziger stellte sich bei Piaggio ein doch merklicher Verlust von Markanteilen durch das starke Kommen der japanischen Konkurrenz ein. Im Vergleich von vor ca. 10 Jahren, also Ende der Siebziger, waren es sage und schreibe fast 50% weniger verkaufte Modelle in der Sparte Motorräder. Piaggio, inzwischen irgendwie auch mit Fiat verflochten, reagierte daraufhin mit einem enormen Investitionsprogramm. Einmal in die Modernisierung der Produktionsstätten, im anderen in die Entwicklung neuer Modelle für den Zweiradmarkt. Heraus kam der Roller "Cosa" als 125er / 9,5 PS / 90 km/h, 150er / 10 PS / 92 km/h und 200er / 12 PS / 99 km/h Variante. Weitere wesentliche Unterschiede zur Vespa waren das abschließbare Helmfach, elektronische Zündung (je nach Modell) sowie hydraulische Bremsen (Bremspedal verzögert parallel Vorder- und Hinterrad).
Auch die "Sfera 125" (der erste Viertakt-Motor bei Piaggio / 10 PS) muss hier genannt werden, die 1990 auf den Markt kommend, im Gegensatz zur selbstragenden Stahlblechkarosserie der Vespa erstmals ein Zentralrohrrahmen mit Kunststoffchassis besitzt und die zum zweiten bewährten und parallel geführten Rollerkonzept von Piaggio wird.
In den Produktionsstätten Pisa, Pontedera, Lugagnano und Mortellini, die zusammen rund 350000m² Produktionsfläche darstellen, arbeiten Ende der Achtziger ca. 5000 Mitarbeiter. Die aktuelle Produktpalette umfasst im unteren Motorensegment die Modelle "Ciao", "Bravo", "Superbravo" (S) sowie die Vespa "PK 50 XL" (Plurimatic). Zu den Leichtkrafträdern zählen: die Vespa "PX 125", die Vespa "PX 150" und die Vespa "PX 200" sowie die gesamte "Cosa" Modellreihe.


Vespa 50 N von 1989

1991 verlässt die Dreimillionste Vespa mit 50 ccm Motor die Bandstraße von Pontedera.
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Ich selber habe mir 1991 übrigens mit einer nagelneuen schwarzen Vespa "PK 50 XL" (alle Gummianbauteile in rot und Airbrush ("50er Harley mit Seitenwagen fährt durch Yenkyfahne") auf einer Backe, meinen Jugendtraum vom Vespa Fahren erfüllt. Allerdings habe ich diese 1994 gegen meine jetzige Vespa, einer 1986ger Vespa 150 1:1 getauscht. Ständige Überlandfahrten, blödes Abspringen des Benzinschlauches vom Benzinhahn, einen gegen hohe Drehzahlen empfindlichen Motor sowie gewachsenen Ansprüchen - "nein, es waren keine Minderwertigkeitskomplexe" - haben mir diese Entscheidung leicht gemacht
1996: Piaggio feiert 50 Jahre Vespa.
1999, eine Tochter der Deutschen Bank, Morgan-Grenfell ( wird später zur "Deutschen Asset Management"), kauft 80% der Anteile von Piaggio für rund 665 Millionen Euro. Gleichzeit übernimmt sie Schulden von den Italienern in Höhe von knapp 100 Millionen Euro.
Heute, am Ende des 20. Jahrhunderts und am Anfang des 21. Jahrhunderts, ist der Piaggio Konzern mit seinen sieben Tochtergesellschaften weiterhin eine der weltweit größten und der unumstrittenste europäische Marktführer im Bereich der Herstellung von zwei- drei- und vierrädrigen Motorfahrzeugen und erreicht weltweit knapp 1 Millionen Einheiten pro Jahr. Die Fahrzeuge werden unter den Marken Piaggio, Gilera (seit 1967) und Puch vermarktet. Zurzeit werden von Mofas, Mokicks und kleinen Motorräder ca. 27 Modelle verkauft. Die neuen Roller des Roller-Spezialisten des Piaggio Konzerns hören auf die Namen wie Sfera, Zip, Hexagon oder NRG - sind klassisch gestylt oder poppig-bunt und kompromisslos sportlich. Neben Motorrädern beliefert der Konzern den Markt mit Motoren und bewegt sich auch im Segment der Herstellung von drei und vierrädrigen Leichtkrafttransportern.
Von den Vespa Modellen sind heute die ET 2 und ET 4 übrig geblieben, die die Fortsetzung der großen Vespa-Tradition sichern.


ET4

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Die Vespa ist nun schon über 50 und mit ihr ein unbeschreibliches Lebensgefühl von Generationen. Über 15.000.000 Vespas, mit nahezu 100 verschiedenen Modellen, wurden bis heute in 114 Ländern verkauft. Nach den Vespa Krisenjahren der 70er und 80er kam und kommt heute der Trend zur Vespa, bzw. Motorroller insgesamt, angesichts der wachsenden Verkehrsdichte und den im Unterhalt immer teurer werdenden Zweitautos, wieder auf.
Tja, ihr übrigen Biker der Nation die prinzipiell die Hand zum Gruß für unsereins nicht ausstrecken, ihr habt zwar die teureren und moderneren Gefährten, aber keine Tradition wie wir Rollerfahrer (Harley sei da mal eine Ausnahme).

Der Autor hegt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Inhalte seiner Vespa Story.
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Und hier noch ein paar in der Vespa Story ungenannte Vespas:


Vespa 160 Gs von 1962


Vespa 150 GL von 1963


Vespa 180 Super Sport von 1965


Vespa 125 von 1966


Vespa 180 Rally von 1968


Vespa 50 Elestart


Vespa 50 Spezial von 1973


Vespa P125X vbon 1978


Vespa P200E von 1978


Vespa PK125 von 1983


Vespa PK50 von 1983


Vespa PK125 Automatica


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